Wie funktioniert CAT?

Fragen an die Vorsitzende und Gründerin von PfP, Ellen M. Zitzmann (Interview in der Süddeutschen Zeitung vom 18.04.2002)

Sagen wir, ich bin jung und gewaltbereit. Wie bringen Sie mich wieder auf den rechten Weg?

Indem ich in Ihre Erlebniswelt eingreife, Ihre Fähigkeiten, Talente, Lieblingsbeschäftigungen und Hobbys kennen lerne. Aus dem Hintergrund jedes Jugendlichen erarbeiten wir kreative Wege aus dem Konflikt – statt Gewalt. Ein Junge erzählt zum Beispiel, dass er eine Fünf in Mathe bekommen hat. Von den anderen wurde er daraufhin als „Dummer” bezeichnet. In solchen Gesprächen stößt man auf die Hintergründe der Gewalt – zum Beispiel, wenn dieser Schüler fünf Tage nach der Note im Klassenzimmer ein Fenster zertrümmert hat.

Woher rühren die Probleme?

Aus einer sozialen Misere, mangelnde familiäre Fürsorge, schlechte Vorbilder, Beziehungs- losigkeit, Medien-Wahnsinn. Und ganz oft hören wir: Man hört mir eh nicht zu!” Dazu kommt oft eine hohe Leistungserwartung von Eltern und Lehrern. Und eine immer reduziertere Sprache, über die es Jugendlichen nicht gelingt, einen Streit auszutragen. Viele, viele Jugendliche (übrigens auch Erwachsene) schaffen es nicht, miteinander zu reden, Worte zu finden für Unausgesprochenes.

Wie helfen Sie Jugendlichen?

Wir üben mit ihnen, Worte zu finden für das Unausgesprochene, z.B. ICH-Sätze zu bilden wie „Mir geht es schlecht, wenn du mich als Dummokopf bezeichnest, weil ich mir dann hilflos und ohnmächtig vorkomme!” – und Gründe für das eigene Befinden zu formulieren.

In den Kursen sprechen Strafentlassene. Zieht so etwas bei den Jugendlichen?

Sehr! Es gibt manchem die Bestätigung, der Mann ist durch all das gegangen, an dessen An- fang ich gerade stehe: Gerichtsverfahren, Gefängnisstrafe. Und er hat trotzdem den Absprung gepackt. Das gibt Hoffnung!

CAT erteilen Sie auch in Jugendstrafanstalten. Ist die Situation an den Schulen so brisant, dass sie die gleichen Kurse brauchen?

Nein, die Kurse wurden den verschiedenen Zielgruppen angepasst. Im Gefängnis muss man viel häufiger intervenieren und konfrontieren. Dort haben wir es mit zum Teil extremen gewalttätigen Verhaltensweisen zu tun. In den Schulen geht es verstärkt um die Prävention und um die Verbesserung der Kommunikation, Kooperation und Konfliktlösung.