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Kurzgeschichte: Nennt uns Mörder!
(anonymer Verfasser)
Ihr seid spielende Kinder in allem,
und nicht eurer Spiele Regeln achtend ging ich in euer Netz.
Wessen immer ihr mich und meiner Art beschuldigt,
unser Dasein öffnet das letzte Portal,
dahinter unsereiner über euch hinauswächst!
Ihr liest kein Buch der Welt siebzig Mal, kennt keinen
eurer Philosophen selbst, seid hohl und leer trotz
Doktorgrad und Titel: blasse Schatten bloß.
Blass sind eure Künste, Mythen und Poesien.

Nennt uns Mörder,
doch hinter unseren Lidern tosen Geschichten, die Ihr nie
erfahren wollt.
Verteidigung kann meiner Worte Sinn nicht sein.
Denn ich habe mein Wesen mir so wenig vorzuwerfen, wir ihr das eure auch.
Und steh vor diesem Tribunale ich auch nicht
als einer eurer Art, ist doch der Satan nicht mein Pate.
Denn euer Teufel hat so wenig wie euer Gott mit mir im Sinn.
Ihr aber webt uns wieder eure Paragraphen, da wir uns darin nicht fügen.

Allein, es ließen sich Paläste streichen mit dem Blut,
das bis zu diesem Tage im Namen eurer Gerechtigkeit floss.
Bis zu jener dunkelroten Stunde war ich nicht weniger Mensch als ihr.
Nennt uns Mörder,
wir sind, was ihr zu sein nicht wagt.
Nicht eines eurer Kinder hinterließ in mir Spuren, nicht Herz
noch Geist
erinnern an sie.

Den einzigen, den ich niemals vergaß, ist jener den ich tötete,
und in seinem Blute ich jene Nacht trieb, auf düsterrotem Ozeane,
eine Galerie aus Fleisch, hilflos den Stürmen ausgeliefert.
In meinem Herzen aber hat er Ewigkeit. Dies ist, wie ich fühle.
Euer Hassen und Lieben belächle ich stumm, denn klein pflegt ihr zu
lieben und zu leben. Doch ich lächle im Dunkeln, denn ich will euch nicht
beschämen.
Nennt uns Mörder,
in unseren Seelen spiegelt sich eure Angst,
länger als ein Leben in euch selbst gefangen zu sein.
Denkt nicht wir sind das gern:
es widert uns an!

